John Weitzman, Autor dieses Blogbeitrags

Cybermobbing unterscheidet sich vom althergebrachten „Ärgern“ und „Schlechtmachen“ unter anderem dadurch, dass es dank der Reichweite von Internet und Mobilgeräten sehr viele Lebensbereiche zugleich erfassen kann. Dadurch kann ein Cybermobbing-Opfer praktisch rund um die Uhr gequält werden.

Außerdem sind die Täter der (nicht ganz richtigen) Ansicht, bei Netzdiensten weitgehend anonym bleiben zu können, was manche Hemmung wegfallen lässt. Es kommt dann zu den üblichen Aktionen aus der Palette menschlicher Niedertracht, die von Belästigung über Diffamierung, Rufschädigung und Demütigung bis zu Bedrohung reicht.

Das Allermeiste davon ist am besten zwischenmenschlich im direkten Umfeld zu lösen und nachhaltig zu verhindern, also durch entsprechende Vertrauenspersonen. Nur in bestimmten Fällen ist es sinnvoll und erfolgversprechend, rechtliche Schritte einzuleiten, z.B. wenn Social Networks involviert sind und deren Betreiber nicht auf Hinweise durch das Cybermobbing-Opfer reagieren.

Polizei und Staatsanwalt sind erst zuständig, wenn die Schwelle zur Strafbarkeit überschritten wird. Das ist zwar auch schon bei einer Beleidigung der Fall, aber eine Strafanzeige führt dann kaum zu greifbaren und vor allem schnellen Ergebnissen. Bei handfesten Bedrohungen oder Nötigungen ist das anders, dann sollte auch die Polizei eingeschaltet werden.

Ansonsten gilt, dass immer zuerst die Hilfsangebote im direkten sozialen Umfeld aktiviert und genutzt werden sollten. Bei zivilrechtlichen Schritten sollte ein Anwalt hinzugezogen werden, gerade wenn es um Sofortmaßnahmen wie die sehr wirkungsvollen „einstweilige Verfügungen“ geht. Und auch die „Zuschauer“ eines Falles von Cybermobbing können etwas tun, nämlich nicht auf die Mobbing-Aktion einsteigen, die oft darauf angelegt ist, dass möglichst viele mitmachen (z.B. in einer „Hassgruppe“ eines Social Networks). Und ganz grundsätzlich sollte man mit persönlichen Informationen und Zugangsdaten zu Mailpostfächern und anderen Accounts im Netz sehr vorsichtig umgehen. Das verringert die Angriffsflächen fürs Cybermobbing.

 

*John Weitzmann hat Rechtswissenschaften in Saarbrücken, Sydney und Trier studiert, Studienschwerpunkt Urheber- und Medienrecht. Seit 2006 ist er Legal Project Lead für Creative Commons Deutschland und koordiniert seit 2009 die Arbeit des Regionalverbundes CC Europe. Er arbeitet u.a. bei irights.info und ist auch in einem leicht verständlichen Video auf unserer Seite zu sehen. *

Wir bedanken uns fürs Teilen!

  1. Christine Walter says:

    Hallo,
    das Bayerische Fernsehen, Redaktion Geschichte und Gesellschaft, sucht für eine Reportage zum Thema Cybermobbing noch Protagonisten.
    Wer wäre bereit, über seine Erfahrungen im Netz zu berichten?
    Wir benötigen für unsere Reportage jugendliche Schüler, die Opfer von Cybermobbing wurden (die auch durch Verfremdungsmittel anonymisiert werden könnten).
    Bitte Rückmeldungen über
    ch.walter@br.de

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