Dr. Catarina Katzer, Autorin dieses Blogbeitrags

Cybermobbing – beleidigt, gehänselt, bedroht oder lächerlich gemacht, indem z.B. intime oder peinliche Fotos oder Videoclips in Sozialen Netzwerken, über Videoplattformen oder Chatrooms verbreitet werden, die wie an einem schwarzen Brett für hunderttausende User einsehbar sind. Besonders unangenehm: Es können auch die besten Freunde oder sogar Lehrer, Eltern oder Arbeitgeber mitbekommen, dass sich Hassgruppen gegenüber einem Jugendlichen gebildet haben oder gefakte Nacktfotos in Chatrooms oder Sozialen Netzwerken wie Facebook, Wer kennt wen etc. kursieren. Oft wissen die Opfer nicht, wer dahinter steckt – es könnte auch ein angeblich guter Freund oder der Tischnachbar in der Klasse mitmachen – d.h. oft schwindet durch Cybermobbing auch das Vertrauen in Freundschaften!

Das besonders perfide gegenüber traditionellem Mobbing in der Schule ist: Das Opfer hat keine Chance zu entkommen, denn die Täter kommen bis ins Kinderzimmer. Die Folge: Opfer von Cyber-Mobbing können sich nicht mehr entziehen, finden keinen Schutzraum mehr, denn selbst ein Umzug oder ein Schulwechsel, was in harten Fällen teils geschieht, nützt nichts – Internet und schülerVZ sind überall! Und: Nichts, was einmal im Netz steht, kann wieder gelöscht werden – jedes peinliche oder gefakte Foto, jegliche falschen Profilinhalte über sexuelle Vorlieben, Geilheit auf einen bestimmten Lehrer etc. können auch Jahre nach dem Cyber-Mobbing z.B. in der Google-Suchmaschine der aktuellen Freunde, Ehepartner oder Arbeitgeber auftauchen. Die Traumatisierung eines Opfers ist deshalb in manchen Fällen von Cyber-Mobbing höher als bei Mobbing, das allein in der Schule passiert.

Sensibilisierung ist wichtig – seitens der Täter, damit sie lernen, was sie dem Opfer antun, aber auch seitens der Opfer: Gegen Cyber-Mobbing muss man sich zur Wehr setzen und die Täter müssen zur Verantwortung gezogen werden, denn Cyber-Mobbing ist kein Kavaliersdelikt! Leider wissen die wenigsten über die strafrechtlichen Folgen Bescheid, und vielfach wird Cyber-Mobbing noch nicht ernst genug genommen. Viele Schulen, Eltern, aber auch Polizei oder Staatsanwaltschaft wissen außerdem häufig nicht, wie mit diesen Fällen umgegangen werden soll – das muss sich ändern!

Das Bündnis gegen Cybermobbing e.V., die neue Initiative national & international, will etwas dagegen tun und wird unterstützt von der Enquete Kommission Internet & digitale Gesellschaft des deutschen Bundestages und zahlreichen Prominenten aus Politik, Sport und Medien wie z.B. Eberhard Gienger (olympischer Bronzemedaillengewinner) oder Dirk Heinrichs (Schauspieler und Gewaltpräventionsexperte).

* Dr. Catarina Katzer, Spezialgebiet Cyberpsychologie und Medienethik, hat zu der Thematik „Cyberbullying und sexuelle Viktimisierung in den interaktiven Medien“ die ersten Studien im deutschsprachigen Raum durchgeführt. Sie leitet deutsche und internationale Forschungsprojekte, arbeitet als Dozentin, als bildungspolitische Beraterin im In-und Ausland (z.B. Enquete Kommission Internet & digitale Gesellschaft des deutschen Bundestages; Nationalrat Schweiz im Bereich „Cyberbullying – Prävention und Forschung“, Bildungsministerium Island, deutschlandweites Anti-Mobbing-Gewalt-Projekt für Schulen „Fit in Fairplay“ des Malteser Hilfsdienstes e.V.), entwickelt neue Ansätze der Medien-Gewaltprävention (z.B. gemeinsam mit Dirk Heinrichs Medien-Präventionstag) und ist Vorstandsvorsitzende des Vereins Bündnis gegen Cybermobbing e.V.*

Einen kompletten Vortrag von Dr. Catarina Katzer zum Thema Cyber-Mobbing können Sie sich hier als Video anschauen.

Bekennen Sie Farbe gegen Cyber-Mobbing!

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