Foto: pixelio.de/ Alexandra H./ Radiozentrale (Bearbeitung)

Eine Freundin, die bei uns zu Hause zu Besuch war, überredete mich, uns in den Account einer Schulfreundin von mir bei Jappy einzuloggen. Sie mag dieses Mädchen nicht besonders und ich besaß deren Passwort.  Wir haben dann von deren Account Nachrichten und Bewertungen von Fotos von deren Freunden – aber auch von deren Eltern und wiederum deren Freunden abgesendet.

Erst fand ich das nicht so schlimm, sie setzte sich an meinen Rechner – aber sie wurde immer „mutiger“ und fing an, Leute zu beschimpfen, deren Bilder zu beleidigen und übelst hässliche Wörter zu benutzen. Ich sagte, sie solle aufhören, aber sie meinte, es wäre doch Spaß.

Da meine Freundin, deren Account wir benutzt hatten, zu der Zeit mit ihren Eltern im Urlaub war, flog alles ziemlich schnell auf. Freunde ihrer Eltern meldeten sich und fragten, was die üblen Beschimpfungen ihrer Tochter sollen und ob sie unter Drogen stünde…

Schnell kam der Verdacht auf mich, da meine Freundin mir ja für die Ferienzeit ihr Passwort gegeben hatte, um ihre E-Mails zu checken.

Das war alles ganz furchtbar. Mit meiner Freundin habe ich mich ausgesprochen. Sie hat mir geglaubt, dass es nicht meine Idee war und ist zum Glück nicht mehr sauer und noch immer meine Freundin. Aber ich lass mich bestimmt nie wieder zu solchem Scheiß überreden!

Nelly M., 11 Jahre (*Name von der Redaktion geändert – Gesprächsprotokoll!)

Wir bedanken uns fürs Teilen!

  1. Moonlight-Serenity says:

    Ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich es schade finde, dass es den Menschen so leicht gemacht wird, andere zu beleidigen oder ihnen ernsthaft Schaden zuzufügen.
    Machen sich die Täter gar keine Gedanken, wie es ihren Opfern geht?
    Kein Mensch ist perfekt, jeder hat seine Makel – ganz gleich, ob es sich hierbei um Übergewicht, wenig Geld oder eine schiefe Nase handelt.

    Ist es wirklich immer nur „Spass“ für die Täter, oder kompensieren sie mit ihrem Verhalten vielleicht nur ihre Angst, selbst Opfer werden zu können?

    Als ehemals selbst Betroffene von Mobbing bzw. Cybermobbing, möchte ich gerne meine Erfahrungen schildern:

    Ich wurde eigentlich schon immer wegen meinem Gewicht gehänselt – solange ich zurück denken kann, war ich für viele „Die Dicke“, lerne aber damit umzugehen, bzw. nicht zu reagieren.

    Als Jugendliche war ich immer irgendwie mit dem Internet verbunden, Freunde hatte ich nur wenige und wenn die keine Zeit hatten oder wenn Wochenende war, war ich am Computer und beschäftigte mich mit unterschiedlichen Dingen – wie beispielsweise einer eigenen Homepage. Aber auch Soziale Netzwerke wie Jappy u.A. zogen mich an und interessierten mich.

    Als wir uns in der Schule im Kunstunterricht mit dem Thema „Computer, Bildbearbeitung und Internet“ beschäftigten, berichtete ich, dass ich bereits Vorkenntnisse hatte und dass ich zu diesem Zeitpunkt schon meine erste eigene Homepage im Netz verwaltete. Meine Klasse bekam die URL, diese wurde dann wohl weitergegeben, denn innerhalb von einer Woche wurde meine Seite überrannt.

    Es fing dann mit Kommentaren in meinem Gästebuch an.
    Ich sei fett und hässlich, ich würde niemals einen Freund haben, denn wer wolle schon so ein fettes Monster wie mich haben.
    Bald darauf kamen immer heftigere Beleidigungen, alle anonym übers Internet.
    Man nahm meine Bilder, schnitt meinen Kopf aus und montierte ihn auf Körper von stark übergewichtigen Frauen. Diese Bilder wiederum wurden dann sogar in meiner Schule ans schwarze Brett aufgehangen. Lehrer und Schüler sahen diese Bilder, doch anstatt dass die Lehrer mal auf mich zukamen und ansprachen, handelten sie nur nach dem Motto „nichts sehen – nichts hören – nichts sagen“.
    Da das Verhältnis zwischen meinen Eltern und mir zu diesem Zeitpunkt sehr stark angespannt war, hatte ich niemanden, mit dem ich über diese Mobbing Attacken reden konnte. Hinzu kamen weitere private Probleme – Missbrauchserfahrungen und andere – sodass ich mich immer mehr verschloss, den Kummer in mich hineinfraß und letzten Endes mit dem selbstverletzenden Verhalten begann.

    Nach über eineinhalb Jahren wurde dann alles zu viel für mich – im Internet bedrohte man mich, in der Schule schnitt man mich und es tauchten immer neue Fotomontagen auf, dass ich dann nach zwei Suizidversuchen in eine stationäre Therapie ging.

    Gemeinsam mit meiner Therapeutin schrieb ich einen Brief an meine Lehrerin, schilderte ihr die ganzen Attacken, die mit dadurch resultierenden psychischen Erkrankungen, meine Verzweiflung. Sie versprach mir damals, sie würde etwas unternehmen und als ich dann nach 3-4 Monaten Therapie wieder zur Schule kam, hörten die Attacken nach und nach auf.

    Hin und wieder kam und kommt es immer noch zu Attacken gegen mich und mein Gewicht, doch ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass ich mir dieses nicht gefallen lassen muss. Mittlerweile spreche ich die Menschen darauf an, wenn ich mitbekomme, von wem solche Attacken kommen. Ich habe gelernt, mittlerweile gelassener zu reagieren und mir die Beleidigungen nicht zu Herzen zu nehmen.

    Durch die Erfahrungen, die ich all die Jahre über machen musste, liegt mir nun sehr viel daran, anderen Betroffenen zu helfen, so gut ich kann.
    Ich denke, wenn man selbst einmal betroffen war, schätzt man die Dinge anders ein, als jemand ganz Außenstehender. Wichtig ist, dass man jemanden hat, mit dem man reden kann – wenn es nicht die eigene Familie oder Lehrer sind, dann sollte man sich jemand anderen suchen, mit dem man sich austauschen kann und der einem den Rücken stärkt.

    Ich bekam damals keine Hilfe und leide noch heute unter den Folgen.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

You may use these HTML tags and attributes:

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>