Der bereits erwähnte Identitätsklau ist im Netz um einiges einfacher als offline und liegt rechtlich gesehen dann vor, wenn der Cyberbully entweder den wirklichen Namen des Opfers benutzt oder einen Spitznamen, den das Opfer in den entsprechenden Zusammenhängen verwendet und unter dem es eindeutig erkannt wird. Was mit dem „geklauten“ Namen dann genau gemacht wird, ist eigentlich egal. Sobald sich jemand im Netz unter dem Namen einer Person bewegt, die es in seinem Umfeld tatsächlich gibt, ist deren „allgemeines Persönlichkeitsrecht“ verletzt. Dieses Recht ist sozusagen das Sicherheitsnetz für den Schutz vor Attacken, die sich nicht direkt körperlich oder finanziell auswirken. Cyberbullying gehört zu diesen Attacken, denn dabei geht es selten um Geld, sondern eher um psychische Quälerei.

Foto: pixelio.de/ A. Delater

Das läuft dann typischerweise so ab, dass der Bully unter dem Namen des Opfers Fake-Profile bei Schülernetzwerken oder anderen Online-Diensten anlegt (zum Beispiel bei eBay) und darüber dann andere Personen belästigt, Unsinn verbreitet, irgendwelche Waren bestellt oder illegale Downloads vornimmt. All das soll natürlich dem Opfer angelastet werden. Auf diese Weise kann etwa der Eindruck erzeugt werden, das Opfer würde politisch radikalen Strömungen angehören oder bestimmte sexuelle Vorlieben haben, zum Beispiel indem es jemand unter seinem „geklauten“ Accountnamen bei entsprechenden Websites anmeldet. Wenn ein Cyberbully Zugriff auf einen echten persönlichen Account (E-Mail oder Profil) bekommt, kann er unter fremdem Namen persönliche E-Mails weiterleiten, fälschen oder löschen. Manche Cyberbullys erstellen aber einfach eigene Fake-Profile mit dem Namen des Opfers und nutzen die dann, um über das Opfer oder andere Personen Gerüchte, Beleidigungen oder Unwahrheiten zu verbreiten. Das unwissende Opfer bekommt später die Reaktionen ab und muss mühsam versuchen, seinen Ruf zu retten.

Dies sind oft Fälle, in denen die Identität des Bullys dem Opfer nicht bekannt ist. Darum ist vor allem wichtig, sofort die Provider der Webdienste zu informieren, auf denen die Fake-Profile angelegt wurden, und sie zur Löschung oder Sperrung zu bewegen. Auch dafür sind die Informationen im jeweiligen Impressum da, es gibt aber häufig auch Funktionen wie „Profil melden“, die das Ganze wesentlich einfacher machen.

Komplizierter wird es, wenn der Cyberbully kein Fake verwendet hat, sondern einen tatsächlich vom Opfer angelegten Account (etwa bei einem Online-Portal oder Mailprovider), an dessen Zugangsdaten er herangekommen ist. Dann kann sich der wirkliche Account-Inhaber nur darauf berufen, dass der Account ohne seine Zustimmung benutzt wurde (also dass dem Cyberbully die Nutzung des Accounts entweder nie erlaubt wurde oder die Erlaubnis inzwischen widerrufen wurde). Sofern das möglich wurde, weil das Opfer die Zugangsdaten des Accounts nicht für sich behalten hat, ist es letztlich mitverantwortlich, wenn über seinen Account z.B. andere Leute beleidigt werden. Hat der Cyberbully missbräuchlich Waren bestellt, kann das so weit gehen, dass das Opfer auf den anfallenden Versandkosten sitzen bleibt. Daher sollte man die eigenen Passwörter regelmäßig ändern und niemand anderem mitteilen.

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